Kinderhack

Bewegen Sie jetzt nichts: Kinderleichten „Stop Motion”-Film erstellen

Der Stra­ßen­schreck Luzie, der Sand­mann, Wal­lace & Gro­mit – als Kin­der kann­ten wir den Begriff dahin­ter noch gar nicht: Stop Moti­on. Wir nann­ten das ein­fach Knet­gum­mi-Serie. Hach, das war eine Ästhe­tik, die noch heu­te unser Herz erquickt, die unse­re Kin­der aber kaum noch ken­nen. Doch jetzt kann man (App sei dank) kin­der­leicht mit den eige­nen Kin­dern sol­che Fil­me qua­si selbst pro­du­zie­ren. So leicht sogar, dass die Kin­der je nach Alter ganz allein ihren eige­nen „Stop Motion”-Film erstel­len kön­nen. Wie? Hier ein klei­nes Tuto­ri­al als Ein­stieg für den ersten simp­len Film. 

Stop Motion Film erstellen – mit Kindern und dem eigenen Tablet oder Handy
Stop Moti­on Film erstel­len – mit Kin­dern und dem eige­nen Tablet oder Handy

Wenn wir unse­rer Kin­der Lieb­lings-TV-Seri­en mit anschau­en müs­sen, ist das oft eher Stop E-Moti­on: Nied­rig bud­ge­tier­te Com­pu­ter-ani­mier­te Seri­en las­sen wahr­lich unse­ren inne­ren Sinn für Schö­nes erstar­ren. Wenn Robin Hood Pfei­le durch aal­glat­te, kan­ti­ge Bäu­me schießt, Feu­er­wehr­mann Sam sprin­tet, als hät­te er Pipi in der Hose, oder Bie­ne Maja gel­be Pla­stik­bäl­le aka „Pol­len” am Hin­tern kle­ben. Das berei­tet ein­fach Unbe­ha­gen. Nicht, weil unse­re Ein­stel­lung gegen­über elek­tro­ni­schen Medi­en auf­grund unse­rer medi­en­kri­ti­schen Sozia­li­sa­ti­on ambi­va­lent ist. Nicht, weil eine Com­pu­ter-Ani­ma­ti­on so abstrakt und unan­fass­bar ist. Son­dern weil die 3D-Pro­duk­tio­nen ein­fach grot­tig aus­se­hen, solan­ge nicht etwa Pixar oder Dream­works auf dem Eti­kett stehen.

Gelo­bet sei­en daher – aus­ge­rech­net – die elek­tro­ni­schen Medi­en, dank deren Fort­schritt sich Stop-Moti­on-Film­chen nun selbst pro­du­zie­ren las­sen. Somit kom­men unse­re Kin­der der Tech­nik sogar näher, als wir es je selbst sein konnten. 

Die beste Stop Motion App

Ich will nicht lan­ge die Vor- und Nach­tei­le ver­schie­de­ner Apps und Ver­fah­ren abwä­gen, son­dern schnell zur Sache kom­men: Mit der App Stop Moti­on Stu­dio hat man das kom­plet­te Pro­duk­ti­ons­stu­dio all in one place. Eine kur­ze Umfra­ge im Bekann­ten­kreis ergab, dass sich alle auf die­se App eini­gen kön­nen. Für die ersten Ansprü­che reicht die kosten­lo­se Ver­si­on der App alle Male. Eini­ge Funk­tio­nen gibt es nur in der Bezahl­ver­si­on (5,99 €) oder ver­ber­gen sich in der kosten­lo­sen App hin­ter einer Pay­wall, auf die man aber wäh­rend der Film­pro­duk­ti­on upgraden kann, ohne das Pro­jekt zu ver­las­sen. Stop Moti­on Stu­dio gibt es sowohl für iOS als auch für Android.

Man benö­tigt:
1. Smart­pho­ne oder Tablet
2. Alle Dinge/Figuren/Requisiten für die Sze­ne
3. Ggf. einen (geba­stel­ten) Hin­ter­grund
4. Ggf. Sta­bi­li­sa­ti­on für das Handy/Tablet (Sta­tiv oder ande­re sta­bi­li­sie­ren­de Gegen­stän­de, Kle­be­band + Schere)

Wie erstelle ich einen Stop Motion Film?

Stop Moti­on Stu­dio installieren 

Instal­liert zunächst die App aus dem App Store oder dem Goog­le Playstore.

Stop Motion Film erstellen zum Thema Lego: Die Kulisse
Kulisse aufbauen

Baut als näch­stes die Kulis­se auf – auf dem Boden oder auf dem Tisch. Als Back­drop kann man ein­fach die wei­ße Wand neh­men, etwas aus Ton­pa­pier schnei­den und kle­ben, ein Lacken über Möbel zie­hen oder wie wir hier: ein kit­schi­ges Bild eines Nord­see­stran­des, das wir nie auf­ge­hängt hatten.

Stop Motion Film erstellen zum Thema Lego: Das Handy oder das Tablet als Kamera aufstellen
Kamera (Tablet/Handy) aufstellen

Stellt nun das Han­dy bzw. das Tablet auf – eure Kame­ra. Das ist wohl der kniff­lig­ste Part. Man­che von euch haben viel­leicht ein Sta­tiv direkt mit Hal­te­rung für mobi­le Devices. Wir haben ein Kame­ra­sta­tiv ohne Han­dy­hal­te­rung genom­men, an das wir irgend­wie die Hül­le des Han­dys mit Pack­band geklebt haben, so dass wir das Han­dy selbst spä­ter easy in die Hül­le klem­men konn­ten und die Han­dy-Ober­flä­che selbst unver­klebt blieb. Am ehe­sten reicht aber eine Tablet-Hül­le zum Auf­stel­len, Bücher und ande­rer Kram. Baut auch dar­aus am besten mit­hil­fe von Kle­be­band eine feste Hal­te­rung. Denn es ist sehr wich­tig, dass die „Kame­ra” wäh­rend der gesam­ten Pro­duk­ti­on nie die Aus­gangs­stel­lung verlässt.

Stop Motion Film erstellen zum Thema Lego: Bildcheck vorab
Bild-Check

Öff­net die Stop Moti­on App und tappt auf das Kame­ra-Sym­bol und schaut euch die Vor­schau der Auf­nah­me an: Ist die Kulis­se per­fekt in Sze­ne gesetzt? Ist nicht mehr und auch nicht weni­ger im Bild zu sehen als gewünscht und sind die Rän­der des Hin­ter­grund­bil­des im Anschnitt? Stim­men die Licht­ver­hält­nis­se? Wenn nicht, dann stellt noch eine Schreib­tisch­lam­pe oder eine Steh­lam­pe auf. Am besten so, dass sie von hinter/über der Kame­ra auf die Sze­ne strahlt. Für die Licht­ver­hält­nis­se ist es auch am besten, wenn die Son­ne von drau­ßen kein Licht- und Schat­ten­spiel veranstaltet.

Idee oder Drehbuch nicht vergessen
Drehbuch

Dreh­buch oder Impro? Lasst euer Kind ent­schei­den, ob es sich vor­her noch etwas über­le­gen und skiz­zie­ren will oder schon genau weiß, was vor­zu­füh­ren hat, oder ob es ein­fach drauf los spie­len möchte.

Bedienung der Stop Motion Studio App
Der Drehstart

Wenn ihr nicht eh schon im Foto-Modus seid (wegen des Bild-Checks oben), tappt jetzt im Stop Moti­on Stu­dio auf das Kame­ra-Sym­bol. Damit seid ihr im Foto-Modus, den ihr wäh­rend des Dreh-Parts nicht mehr ver­las­sen müsst. Stellt die Prot­ago­ni­stIn­nen und Requi­si­ten in die Ausgangsposition.

Der Dreh

Moti­on, Schnapp, Moti­on, Schnapp: Jetzt zieht ihr euch hin­ter die Kulis­sen zurück und macht das erste Foto. Bewegt anschlie­ßend die Figu­ren oder Din­ge in Rich­tung der Bewe­gung, die sie voll­zie­hen sol­len, ein mini­ma­les Stück wei­ter. (Je klei­ner der Schritt, desto flüs­si­ger die Ani­ma­ti­on, desto auf­wän­di­ger aber auch die Arbeit. Ver­sucht ein gutes Mit­tel zu fin­den oder geht nach der Zeit, die ihr habt, oder den Eifer, den ihr ver­spürt.) Ent­fernt euch wie­der kom­plett aus der Sze­ne und nehmt wie­der ein Bild auf. 

Arbeits­tei­lun­gEs kann auch nur eine Per­son für die Figu­ren zustän­dig sein und eine Per­son für die Kame­ra – je nach Alter und Geschick­lich­keit des Kin­des. Beim kon­ti­nu­ier­li­chen Beob­ach­ten des Neu­auf­stel­lens der Figu­ren durch die Kame­ra erkennt die Kame­ra­per­son am ehe­sten, ob nicht etwa sta­ti­sche Tei­le der Kulis­se ver­rückt sind, die Kame­ra selbst die Augangs­po­si­ti­on ver­las­sen hat, Requi­si­ten auf der Büh­ne zurück­ge­blie­ben sind oder aus Ver­se­hen ein Arm oder ein Kopf vor dem „Schein­wer­fer” plötz­lich einen Schat­ten auf die Sze­ne wirft.

Postproduktion: Vertonung

Seid ihr fer­tig, Film im Kasten? Jetzt könnt ihr das Stück noch ver­to­nen. Ver­lasst dazu zunächst den Foto-Modus über den Pfeil oben rechts in den Haupt­mo­dus. Hier habt ihr den Über­blick über alle auf­ge­nom­me­nen Bil­der in einer Art Zeit­lei­ste, die Mög­lich­keit des Abspie­lens und alle Tools für die Post­pro­duk­ti­on parat.

Für die Ver­to­nung könnt ihr die Ton­auf­nah­me-Funk­ti­on hin­ter dem Mikro­phon-Sym­bol nut­zen und eure Figu­ren-Dia­lo­ge live ein­spre­chen. Hin­ter dem Plus-Sym­bol > Audio ver­birgt sich zudem eine unge­ahnt gro­ße Sound-Biblio­thek (Upgrade auf Bezahl­ver­si­on nötig) oder die Mög­lich­keit, eige­ne Audio-Datei­en ein­zu­fü­gen. Beach­tet, dass die aus­ge­wähl­ten Audio­da­tei­en beim Hin­zu­fü­gen bild­ge­nau ab dem Foto ein­ge­setzt wer­den, das ihr zuvor markiert.

Postproduktion: Intro und Abspann und vieles mehr

Wie ihr sicher­lich schon gese­hen habt, las­sen sich im Nach­hin­ein auch noch ein Intro und ein Abspann erstel­len. Tobt euch ein­fach aus. 

Natür­lich könnt ihr in der Zeit­lei­ste auch noch Kor­rek­tu­ren vor­neh­men. Tippt dazu auf ein Bild und nutzt die Funk­tio­nen, die erschei­nen. Z.B. Bild löschen, hin­zu­ge­füg­te Töne bear­bei­ten, und und und.

Glaubt uns, das Lesen die­ses Arti­kels dau­ert län­ger, als den eige­nen ersten kur­zen Stop Moti­on Film zu erstel­len. Fehlt jetzt noch etwas? Ach ja! Viel­leicht unser erstes eige­nes Fil­m­ergeb­nis. Dabei han­delt es sich wirk­lich um den aller­er­sten Ver­such mit der Stop Moti­on Stu­dio App (ob wohl wir zuge­ge­be­ner­ma­ßen alle Regi­ster zie­hen woll­ten, die dann doch nicht so ganz funk­tio­nier­ten. Man beach­te das Ver­rut­schen des Hin­ter­grun­des oder das Auf­tau­chen eines myste­riö­sen Schat­tens – mei­ne Hand – oder der holp­ri­ge Flug­ver­such, bevor wir auch noch den Faden auf der Büh­ne haben lie­gen las­sen). Egal. Für eine erste „Inspi­ra­ti­on” soll es genü­gend. Viel Vergnügen!

Mit der App „Stop Moti­on Stu­dio” lässt sich ein eige­ner Lego-Stop-Moti­on-Film erstellen

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